Ein Rückblick und große Enttäuschung – Bernd Weikl

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Evelyn Hecht-Galinski: Ich danke Bernd Weikl sehr dafür, dass er mutig Standpunkte vertritt, die man nur noch selten in unserer angepassten und feigen Gesellschaft liest und hört. Solche Menschen braucht das Land.

In seinen Erinnerungen beschreibt mein Freund Adolph Kurt Böhm die Jahre in Paris, wohin er als Siebenjähriger mit seinen Eltern 1933 aus Deutschland emigrieren musste. Mutz – wie ich ihn mit seinem Kosenamen nennen darf – und seine Familie haben dort während der deutschen Besatzung nicht nur selbst unter den größten Schwierigkeiten überlebt, sondern auch jüdische Flüchtlinge bei sich aufgenommen. Der junge Mann hat unter der steten Gefahr entdeckt zu werden, für viele von ihnen Lebensmittelkarten sowie Personaldokumente gefälscht und ihnen so das Leben retten können. Mutz wurde dafür mit der höchsten Auszeichnung, die von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel vergeben wird geehrt: „Gerechter unter den Nationen“.

Dieser wunderbare Mann verkörpert alles dies an Mitmenschlichem, wenn ich in meinem neuen Buch von musischer, weil emotionaler Bildung spreche, von kultureller Kompetenz, von Mitleidensfähigkeit durch Persönlichkeitsbildung. Er ist auch beteiligt, wenn ich heute meine große Enttäuschung und den Grund dafür schildern muss.

                                                          Elias für den Frieden

1988 bin ich als Initiator und Solist des Oratoriums „Elias“ von Mendelssohn-Bartholdy in mehreren Konzerten in Deutschland und Israel aufgetreten. Der Erlös sollte einer Schule in Israel zugute kommen, die jüdische Kinder und Kinder von Palästinensern gleichzeitig unterrichtet. Die Gattinnen der beiden Staatspräsidenten, Frau Marianne von Weizsäcker und Frau Aura Herzog übernahmen die Schirmherrschaft für „Elias für den Frieden“ und plötzlich wurde daraus „anlässlich des 40. Jahrestages der Staatsgründung“. Ich blieb bei meiner Aussage in den Programmheften. Frieden ist nicht nur ein Schlagwort. Ich kann nicht warten, bis der Frieden zu mir kommt, und ich will nicht zu denen gehören, die man fragen wird: Wieso hast du nichts dafür getan? Wieso bist du stumm geblieben?

Für den Frieden in der ganzen Welt, aber gerade in Israel müssen wir alle aktiv werden. Frieden geht jeden etwas an, der bewusst lebt. Und die Musik von Mendelssohn-Bartholdy dringt tief in die Seele, erweitert das Empfinden, die Menschlichkeit. Sie ist so wunderbares Mittel, um unser Bewusstsein zu erweitern, Wahrheit zu finden.“

Die Konzerte fanden am 23. April, am 26. April und am 29. April 1988 in Deutschland statt. In Israel wurde Elias in zwei Konzerten aufgeführt, die Gary Bertini dirigierte. Das ZDF drehte einen Film darüber.

                                                   Bleibt Frieden nur ein Traum?

Die Schule wurde nicht gebaut und 30 Jahre nach meiner vergeblichen Aktion muss ich mit ansehen, wie aus „Elias für den Frieden“ noch mehr Mord und Totschlag geworden ist. Ich kritisiere heute die Politik Israels, weil ich das große Leid der Palästinenser mit empfinde und auch der Auffassung bin, dass sich Israel durch seine Politik gegen die Palästinenser selber sehr schadet.

Und zum großen Nachteil von Israels weltweitem Ansehen hat auch der „allmächtige“ amerikanische Präsident die Hauptstadt Israels in Jerusalem errichtet. Weshalb aber hat er nicht gleichzeitig die seit Jahrzehnten notwendige Zwei-Staaten Lösung zur Bedingung gemacht? Er hätte dann den Friedensnobel-Preis erhalten. Barenboim hätte ein Konzert für ihn veranstaltet, und ich hätte den „Elias“ gesungen!

Trump, der Mann ohne Gefühle hat einen mörderischen Dauerzustand unterstützt und noch viele kommende Morde auf dem Gewissen. Es hat während der Nazizeit diesen fürchterlichen Holocaust gegeben. Immer wieder wird seit 1945 daran erinnert. Trump hat zumindest gar nichts daraus gelernt; ebenso wenig, wie diejenigen, die den Friedensprozess in dieser Gegend nach Leibeskräften verhindern.

Warum gibt es keine Demonstrationen in Deutschland? Die Medien überschlagen sich mit langen Berichten über eine lächerliche Karikatur. Wo aber bleibt das Mitleid für die Palästinenser? Seit beinah 70 Jahren besuchen unsere Politiker Israel und dort auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Immer wieder wird dann auch eine Zwei-Staaten Lösung angesprochen, und nichts dergleichen geschieht. Die Welt sieht tatenlos zu. Wo bleibt das Gewissen der Welt?

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Zuerst erschienen bei:

sichtvomhochblauen

 

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