BIB-Konferenz – Bündnis oder gefällige Selbstinszenierung?

Zuerst erschienen bei 

Sicht_vom_Hochblauen

 

  >>Die NGOisierung, die Überschwemmung externer, in der palästinensischen Gesellschaft nicht verwurzelter Gruppen und deren Arbeit, die von US- und EU-Geldgebern feudal bezahlt wird, haben als Ziel die Bereitstellung der gewünschten Formierungsmaßnahmen. Kurz gesagt, sie sind gekauft: Durch materiellen Wohlstand, durch finanzielle “Segnung”, konnten deren Oberen und Mitarbeiter sich aus der katastrophalen Lage der Palästinenser heraus katapultieren. Sicherlich ist dies eine Prostituierung und es ist ein gekauftes “Glück”. Sie sind die Kapos der Zersetzung, deren vermeintliche Arbeit den Prozess der Erosion beschleunigt, die sich in ihrer Identität vom Ich, von ihrer Herkunft verabschiedet haben.<<

Vom 25. bis 27. Mai 2018 fand in Heidelberg eine Veranstaltung namens >>BIB-Konferenz<< statt. Trotz illustrer Personen die sich bei der >>BIB-Konferenz<< einfanden, ist diese, mit musikalischer Untermalung sang- und klanglos gegangen, wie sie gekommen ist. Dass 10 Tage später meinerseits eine Anmerkung zur BIB-Konferenz erfolgt, ist der Bedeutung derselben geschuldet. >>BIB<<, so ist auf der Internetpräsenz zu erfahren, stehe für >>Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung<<, deren Vorstand Prof. Rolf Verleger ist.

Das >>BIB<< und ihre stattgefundene Konferenz stellt zum Bedauern eine systemangepasste Täuschung von vorgegebener Gesellschaftsarbeit dar, um die es bei wirksamer Palästinaarbeit in Deutschland nicht gehen kann.
Im Besonderen nach dem Karfreitagsmassaker sowie den gezielten Morden[1] am Lagerzaun zum Konzentrationslager Gaza, ist zu konstatieren, hätten die renommierten Veranstalter ein klares, ein unmissverständliches Zeichen gegen das israelische Unrecht setzen müssen. Leider blieb dies aus.

Die online nachlesbare BIB-Argumentationen zeigen auf, dass die BIB-Interessen inhaltlich mit dem palästinensischen Anliegen nicht korrespondieren. Wie im Manifest des BIB[2] vermerkt, mittlerweile könnte sich „Bibi“ für das Bündnis etabliert haben, heisst es: „Verantwortung für Israel heißt auch Verantwortung für Palästina.“ Darin ist die elitäre Klassenfrage beantwortet. Staatsinteressen eines widernatürlichen Konstrukts namens Israel wird Verantwortung zugemessen, dabei aber Humanismus geredet. Woher masst sich gleich welcher vernunftbegabte Mensch an, es gäbe irgendeine Verantwortung für Israel? Was sind das für Anmaßungen gegen jeden einzelnen Menschen in Deutschland! Es ist zu vermuten, dass dem BIB und die Konferenzveranstalter eben diese Widersinnigkeit zweifelsfrei bewusst ist.
Das BIB schreibt, dass es „eine friedliche und gerechte Lösung für Palästinenser und Israelis in naher Zukunft zu schaffen.“ wolle, und gaukelt ein „Bündnis“ i.S. eines allein der Menschheit zugewandten Arbeit vor.

Menschen mit palästinensischer Größe, so Norman Finkelstein sagt in >>Israels Invasion in Gaza<< (2011): Die Palästinenser können sich von der Diplomatie nicht einmal einen ungerechten Frieden, geschweige denn einen gerechten Frieden erhoffen. In einem Satz hat Norman Finkelstein ganze Wahrheit gesprochen. Angemerkt: Und das auch ohne Konferenz!

Das ist das eine, an diesem, nun noch einem Bündnis. Das andere ist noch weit simpler im Verstehen, der gewillt ist zu verstehen:
Zukunft, ob diese eine als „naher“ oder „ferner“, wahrgenommen und oder umschrieben wird, ist und bleibt Zukunft allein Zukunft. Nichts, rein gar nichts greifbares. Und die Konferenz, so scheint es, hat die Konferenz als Zweck in sich, doch kein Zuwachs an Kraft im Kampf gegen den abscheulichen israelischen Faschismus. Es handelt sich doch um eine sprachliche Verwirrung, die dem Leser der BIB-Seite suggeriert, es handele sich um Gegenwartsarbeit.
Wenn das BIB, Rolf Verleger und Vorstand „die verantwortlichen Politiker in Deutschland darin bestärken“ wollen „angemessen und zielführend“ zu handeln, „wenn es um eine Lösung des palästinensisch-israelischen Konflikts geht.“, kann der Besucher des „bib-jetzt“-Internetportals möglicherweise eben kein Interesse an praktischer Bündnisarbeit für Palästina herauslesen. Und „eine Lösung“? Welche eine, von wie viel Lösungen?

In vielfachen Aussagen und Handlungen verantwortlicher Politiker in Deutschland ist leider aufgezeigt, das die Bundesregierung kein Interesse an der Beendigung des Apartheidsregimes in Israel hat. Angemerkt werden muss, dass die Bundesregierung auch keinen Konflikt sieht, denn der israelische Kolonialismus ist, wie bekannt, spätestens seit 2008 „Staatsräson“ (Merkel-Doktrin).

Weshalb also ein weiteres Bündnis, wo es einerseits bereits derer genügend und andererseits ohne jedweden praktischen Nutzwert gibt? Die Fragmentierung der Gesellschaft als eine Meinungspluralität zu verkaufen und diesen Verkauf anzunehmen, ist die Schwächung derer, die am wenigsten von Meinung und Vielfalt erwarten könnten.

 Es ist dem Grunde nach falsch, so zeigt es leider auch das Bündnis auf seiner Internetseite deutlich, dass von „die Deutschen“ zu sprechen „aufgrund ihrer antisemitischen Vergangenheit“, sie, „die Deutschen“ sich bezüglich Kritik der Menschenrechts- und Kriegsverbrechen Israel herauszuhalten hätten. Fakt ist unbesehen, folgendes ist ganzheitlich bekannt, dass eben nicht alle „die“ Deutschen eine „antisemitische Vergangenheit“, i.S. von Verbrechen vorzuweisen hatten. Ja, hatten!
  Der Massenmord der deutschen Faschisten wurde vor 73 Jahren eingestellt, indes vor 70 Jahren von Terroristen bereits vor der Installation von Israel, auf dem Landeigentum der Palästinenser, der Massenmord der Goldstandard der Zionisten wurde.

 Es ist ganzheitlich weltbekannt, dass die erste und ihre folgenden Bundesregierungen, die alten NS-Kader, von Waffen-SS bis Justiz in die Bundesrepublik reintegriert hatten, während diese Bundesregierung der erdichteten „Stunde Null“ Jagd auf Kommunisten und Andersdenkende machte. Es ist verpflichtend in diesem Zusammenhang an Heinz Galinski zu erinnern, der ebenso Deutscher war.[3]
Eine entscheidende Frage kommt daher auf: Kritikverbot oder Kritik allein nach Bundesrichtlinien wie sie auch „Die Linke“ herausgegeben hat?

 Es ist meines Erachtens gerade das Gegenteil zwingend notwendig! Vereint müssen alle Palästinafreunde und Humanisten in Deutschland, in Kooperation mit europäischen Menschenrechtlern für die Freiheit Palästinas zusammenarbeiten. Ja ein internationaler Kampf ist zwingend geboten! Die europäische Jugend muss intensiv, denn bereitstehendes Wissen ist gegeben, auf die Verbrechen des faschistischen Israel umfassend und entschieden Reaktion zeigen.
Es ist nicht die Kritik der Deutschen, die „für Verstimmungen im deutsch-israelischen Verhältnis“ sorgt, denn die Angst der Zionisten und ihrer Bundesregierung, dass die Menschen in Deutschland dieses Mal aufstehen und ausbrechen, und zwar bevor es wieder lautet: Kanonen statt Butter.

Erinnert: Prof. Verleger war am 21. Juni 2017 in der ARD-Sendung „Maischberger“ und verabsäumte es leider, für die Freiheit des palästinensischen Volkes entschieden Position zu beziehen.[4] Bei der BIB-Konferenz in Heidelberg hatte Abi Melzer einen Büchertisch. Die FAZ interviewte ihn 2006 wo freimütig bekannte, dass er Israel liebe. Darüber kann sich jeder Leser sein eigenes Bild machen.

Es liegen m.E. Wortverdrehungen auf der BIB-Seite vor. So lautet es u.a.: „…die Angriffe palästinensischer Attentäter und die Raketen aus dem Gaza-Streifen…“ und verweigert sowohl den Urgrund der „Angriffe“, die allein Verteidigungen sind, als auch die Relation zur israelischen Dauergewalt!

Weshalb argumentiert das BündnisIB in dieser einseitigen Form? Wieso gibt das BIB solch einen invertierten Realitätsverlust ab? Denn eines ist auch während der Maimorde 2018[5] ausgeblendet worden: Die nächtlichen Razzien und Sonderkommandos in Hebron.[6] Weshalb benennt der Psychologe nicht die erfassbaren Morde? Wieso scheint ihm die Empathie zum Erfassen des Massenleids der Palästinenser zu fehlen? Wartet Prof. Verleger auf einen Anruf vom „Zentralrat der Juden“ in Deutschland, dass dieser Rat ihn wieder aufnimmt? Wieso diese Seichtheit, Herr Professor, wieso nur?!

Nun fand die BIB-Konferenz in Heidelberg statt. Verwundert hat mich, dass der von mir geschätzte Prof. Norman Paech auf der BIB-Seite vermerkt ist. So erinnere ich mich an seine Worte 2012 auf der Palästina-Solidaritätskonferenz in Stuttgart, als er selbstredend sagte: „Was soll ich eigentlich noch sagen, es ist bereits alles gesagt…“ Und wenn also alles gesagt ist, Handeln oberstes Gebot sein muss.

Was hat die BIB-Konferenz mit der eingangs erwähnten NGOisierung der Vichy-Regierung um M. Abbas und Freunde zu tun?
Während die „Palästinensische Autonomiebehörde“ in den eigenen Reihen mit israelischen Polizei- und Militär gegen Palästinenser zusammenarbeiten, gibt es nach wie vor keine echte Palästinasolidarität.[7] Es ist zu vermuten, dass die BIB-Konferenz in Heidelberg von wahren Palästinafreunden aufgrund mangelnder Freundschaft zum palästinensischen Volk nicht besucht wurde.

Der deutsche Ausnahmejournalist Ken Jebsen stellte mir in seiner Sendung vom 29.04.2018 die Frage, was ich denn wolle. Meine Antwort war und ist: >>Grundsätzlich will ich das, was der Palästinenser Recht ist.<< Herr Jebsen stellte die ergänzende Frage: >>Was ist der Palästinenser Recht?<<, und ich antworte: >>Ihr Recht ist ihr Land!<<.[8]

Quellennachweis:
[1] https://palaestina-nachrichten.de/2018/06/01/israel-erschiesst-junge-palaestinensische-rettungssanitaeterin-zahl-der-getoeteten-steigt-auf-129/ 
[2] https://www.bib-jetzt.de/
[3] http://sicht-vom-hochblauen.de/52380-2/
[4] http://www.daserste.de/information/talk/maischberger/sendung/israelhetze-und-judenhass-100.html
[5] https://palaestina-nachrichten.de/2018/06/02/israelische-soldaten-erschiessen-palaestinensischen-bauarbeiter-in-hebron/
[6] https://www.hebronapartheid.org/
[7] http://the-isleague.com/pa-stop-collaboration/
[8] https://kenfm.de/fariss-wogatzki/

 

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