Feindbilder – Von Prof. Dr. H. Odermann

Feindbilder – einst und jetzt – Von Prof. Dr. Heinz Odermann 

Das Elend der psychologischen Kriegsführung / Kritik einer verwerflichen Propaganda / Ihre Leitlinien im Spiegel der Zeit (Neufassung 2017)

Wie in einem kommandierten Einklang sind Medien und Politiker in ihrer Mehrheit eingestimmt: Baschar al-Assad, der syrische Staatspräsident, und Wladimir Putin, der russische Staatspräsident, seien die Schuldigen eines vermuteten, von syrischen Streitkräften ausgegangenen Giftgasangriffes in Syrien, bei dem eine hohe Zahl von Zivilpersonen ums Leben gekommen sein sollen. Schon am Tag des so geschilderten Kriegsverbrechens, am 04. April 2017, wussten die Verfasser der Nachricht nach Allahs unerforschlichem Ratschluss, wer die Täter und ihre Befehlsgeber seien. Das Verbrechen wurde aus dem Stützpunkt Chan Scheichun in Westsyrien gemeldet, den die Milizen des „Islamischen Staates“ besetzt halten. Die genaue Quelle der Information ist nicht näher identifiziert. Sie ist zugedeckt von einer Masse einheitlicher Kommentare in den meisten Nato-Staaten über die syrische und russische „Barbarei.“ Das Zweite Deutsche Fernsehen vermittelte die Aussage „einer schwerverletzten Frau,“ die dem Berichterstatter sagte, sie wisse nur, dass „da eine Rakete geflogen kam.“ Woher sie kam, wird nicht gesagt.

Das war der Stand der Information im April 2017. Am 06. September desselben Jahres meldete sich ein UN-Ausschuss aus Genf mit der Mitteilung: seine Untersuchungen hätten ergeben, dass „die syrische Regierung des Präsidenten Baschar al-Assad die Schuldige am Giftgas-Angriff auf Chan Scheichun“ sei. Die Meldung aus dem UN-Ausschuss hat allerdings Fehler, die vermuten lassen, dass unerfahrene Mitarbeiter der psychologischen Propaganda den Bericht geschrieben haben So erwähnt die Mitteilung nicht. dass Chan Scheichun ein Stützpunkt der terroristischen IS-Miliz ist, die eine Anlage errichtet hatte, in der Giftgas produziert wird. Die Mitglieder des Ausschusses haben nach eigenen Angaben keine Untersuchungen am Ort des Geschehens durchgeführt. Das Urteil sei zu Stande gekommen aus Berichten und Dokumenten, die in dem Bericht nicht verifiziert sind – und, wie es weiter heißt, durch Aussagen von Augenzeugen. Waren die Augenzeugen in Genf vernommen worden? Was waren das für Augenzeugen, wenn Mitglieder des Ausschusses nicht vor Ort waren? Die Augenzeugen als Quelle des Angriffs bleiben mysteriös.

Die syrische Regierung hatte bereits im April 2017 mit klaren Worten gegen die Verdächtigung Stellung bezogen. Sie sei verantwortlich für den Giftgas-Einsatz. Ein Sprecher der Regierung sagte in Damaskus: „Die Regierung hat „zu 100 Prozent nichts mit dem Chemiewaffen-Einsatz zu tun“.

Der russische Außenminister Lawrow wies alle Schuldzuweisungen gegen Russland, den Verbündeten Syriens, entschieden zurück. Er erklärte, eine Fabrik der Terroristen, in der kriegsverwendbares Giftgas hergestellt wurde, sei von einem syrischen Kampfflugzeug bombardiert worden. Dagegen stützte das deutsche Außenministerium und einige Sprecher von Nato-Staaten die Behauptung, das „Assad– Regime in Damaskus“ trüge die Verantwortung. Es ist ein Vor-Urteil, das besonders schwer wiegt, weil es unbegründet in die Welt gesetzt wird.

In der Nacht vom 06. auf den 07. April 2017 schoss ein US- Kriegsschiff im östlichen Mittelmeer einen syrischen Militärstützpunkt mit Raketen zusammen. Diese Aggression begründete die US-Regierung als Vergeltung für den Giftgasangriff „der syrischen Regierung auf wehrlose Zivilpersonen“. Für den zweifellos verbrecherischen Vorgang gab es von der ersten Mitteilung bis zum US- Angriff keinen einzigen Beweis. Der Vorgang gründet sich nur auf den erklärten Verdacht der amerikanischer Seite, die den Vorgang zum Anlass genommen hatte, eine antisyrische und antirussische Propaganda neu und stark zu beleben. Eine internationale neutrale und objektive Untersuchungskommission ist zu dieser Zeit noch nicht einmal geschaffen worden. Eine groteske Situation, die an andere Vorgänge erinnert.

Als Vorwand für die massiven Angriffe der US-Luftwaffe auf vietnamesische Dörfer und Städte, auf wehrlose Menschen in Da Nang und vielen anderen Orten des Landes seit der Mitte der 1960er Jahre behauptete die Regierung des US-Präsidenten Johnson, die vietnamesische Küstenartillerie hätte ein amerikanisches Kriegsschiff in der Bucht von Tonking beschossen. So wurde der „Verteidigungsfall“ organisiert Weder zu dieser Zeit noch davor gab es entlang der vietnamesischen Küste Artillerie-Stellungen. Die Fälscher in der US-Zentrale für Desinformationen des US-Auslandsgeheimdienstes CIA sagen sich: Wer wohl alles in der Welt weiß schon, ob es an der sehr langen vietnamesischen Küste Artillerie-Stellungen gibt und wer sie gebaut haben könnte? Vietnam war als Teil des früheren Indochinas im französischen Kolonialbesitz, und die Franzosen beuteten die Rohstoffe Vietnams aus, bauten aber keine Küsten-Batterien. Gegen wen denn? Als Vietnam nach der antikolonialen Entscheidungsschlacht von Dien Bin Phu im Mai 1954 frei wurde, hatte die Regierung von Ho-schih Minh andere Sorgen, als Küstenbefestigungen zu errichten.

Die Fälscher gehen stets vom Nicht-Wissen einer Mehrheit von Menschen aus. Die zweckgerichtete Lüge nutzt Unkenntnis und Ahnungslosigkeit.

Eine andere Propaganda-Lüge war die Begründung des Angriffskrieges gegen Irak. Herr Blair (Premierminister in England) und Herr Bush jr. (Präsident der USA) erklärtem, Irak unter Präsident Saddam Hussein verfüge über Atombomben. die den Weltfrieden gefährden. Nach dem Krieg wurde in keinem Raum im gesamten Territorium des Staates nicht einmal eine technische Vorrichtung zum Bau einer Atombombe gefunden.

Ein anderes Beispiel: Als die Hitler-Regierung den Krieg gegen Polen vom Zaune brach, ließ sie den deutschen Sender Gleiwitz von ausgewählten deutschen Söldnern in polnischer Uniform überfallen; dieser Anschlag wurde von der NS-Presse und im Rundfunk groß herausgestellt als „polnische Aggression“ gegen die sich „das Reich verteidigen muss“. Derartige Vorwürfe sind ein Bestandteil der vom Völkerrecht geächteten Aggression.

Die sogenannte syrische Opposition in London, dir einst zu der reichen Oberschicht in Syrien gehörte, verlangte in wiederholen Erklärungen die Verstärkung der militärischen Intervention der USA, Englands und anderer Mächte zu ihren Gunsten im Krieg gegen die Regierung in Damaskus – wenn das Regime von Assad Giftgas einsetzt. Als dieser Giftgas-Einsatz – zum ersten Mal prompt ohne Beweis gemeldet wurde, erschien die gewollte Verschärfung des Krieges gegen das „Assad-Regime“ begründet. Ohne Zweifel war es eine Provokation in der psychologischen Kampfführung gegen die legale Regierung in Damaskus. Gewissenlos wurden Todesopfer in Kauf genommen. Seit tausenden von Jahren wird die Irreführung der Öffentlichkeit als Waffe genutzt, den Gegner zu schwächen und die eigene Stellung zu stärken. Die Literatur der Antike zu den Feldzügen der Herrscher ist reich an diesen Geschichten. Das ist in der neuesten Zeit nicht anders.

Das Gewebe aus Täuschung und Lüge in der Propaganda drückte ein amerikanischer Politiker und Publizist mit den Worten aus: Seit Jahren schreibe ich, dass die US-Regierung weder gegenüber dem Gesetz noch gegenüber dem Volk Rechenschaft abgibt: Die Verfassung bleibt links liegen, die Exekutive verfällt in den Cäsarismus. Paul Craig Roberts, früherer stv. Finanzminister der USA Siehe: http://paulcraigroberts.org

Das lange bestehende Feindbild – die legale Regierung in Damaskus unter Präsident Assad und der russische Verbündete – wurde zum Gegenstand der Propaganda von jenen, die Präsident Assad und die russische Präsenz im Mittelmeer beseitigen wollen. US-Präsident Trump hat mit schneller Zunge alle aufgeschreckt, die unentwegt am antisyrischen und antirussischen Feindbild arbeiten, als er im März 2017 erklärte, die USA könnten sich auch mit Präsident Assad eine Zukunft in Syrien vorstellen. Es musste also etwas geschehen, um Assad und seinen Verbündeten, Russland, so schwer zu belasten, dass die Feindbild-These aufrecht erhalten bleibt. Die Nutzung eines angeblichen Giftgasangriffs der regulären syrischen Streitkräfte erschien als ein geeignetes Mittel, Trump zurückzuholen; er tat es mit dem Befehl an die Marine, einen syrischen Stützpunkt sofort zu zerstören. Völkerrechtlich gesehen, war der Angriff auf eine syrische Stellung eine Aggression, eine unverhüllte Kriegshandlung.

Einige Tage später gaben die USA-Gewaltigen der Weltöffentlichkeit ein weiteres Beispiel, dass international geltendes Recht für sie keine Geltung besitzt. Sie befahlen ihrer Luftwaffe, eine mit 16 Millionen Dollar entwickelte Bombe, die sie wegen ihrer ungeheuren Sprengkraft die „Mutter aller Bomben“ nannten, über den Bergen Afghanistan abzuwerfen. Afghanistan ist ein souveränes Land mit fremden Besatzungstruppen in verminderter Zahl. Wer seine Anwesenheit in Afghanistan ausnutzt, in diesem Land Neue Waffen zu erproben, stellt sich gegen Wort und Sinn des Völkerrechts.

Die „Mega-Bombe“-sollte die Stützpunkte der Terroristen ausschalten. Die allgemeine Stimmung in der Welt gegen den internationalen Terrorismus scheint diesen Bombenangriff deshalb als gerechtfertigt anzusehen – gegen den tatsächlichen Feind Al-Quaida und Taliban. Jedoch muss die Frage nach der Verhältnismäßigkeit gestellt werden. Immerhin stehen die USA und ihre verbündeten seit mehr als 10 Jahren „im Kampf gegen Al-Quaida und Taliban. Das Ergebnis blieb weit unter den erwarteten Wirkungen. In 11 (!) Jahren ist es den USA und ihren Verbündeten nicht gelungen, die Zentren der Terroristen in Afghanistan zu zerstören. Es ist fraglich, ob eine Mega-Bombe eine andere militärische Situation schafft. War die Super-Bombe vielleicht eine Machtdemonstration gegen Russland. China und Nordkorea oder gar an die legale Regierung in Damaskus? Sollte sie zeigen, was die USA können und wozu sie bereit sind? Aggressionen dieser Art sind auch eine Reflexion auf das geschaffene Feindbild.

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Die Hauptfrage ist: Wer hat in Syrien den Nutzen von der barbarischen Operation mit Giftgas. Die syrische Regierung, die seit langem unter propagandistischem Beschuss der Nato-Länder steht, dürfte kaum ein Interesse haben an einer militärischen Aktion der geschilderten Art. Die reguläre syrische Regierung ist mit ihren Truppen, unterstützt von Russland und den Kurden, im Vormarsch. Die Terror-Milizen sind weit zurück gedrängt, ihre Hauptstadt Raqqa ist umstellt. Aleppo ist befreit. Im Irak hat der „Islamische Staat“ viele Gebiete verloren dank der irakischen Arme und der mit ihr verbündeten US- Streitkräfte. Mossul ist befreit. Nur der „Islamische Staat“ und seine Verbündeten könnten ein Interesse haben, Assad und seine Verbündeten im Urteil der Weltöffentlichkeit zu schwächen.

Am 22. April 2017 kam in einer Mitternachts-Sendung der ARD (1. deutsches Fernsehprogramm) in einer Reportage über den Kampf der Kurden im Norden Iraks gegen die terroristischen Milizen des „IS“ ein Teil Wahrheit an die Öffentlichkeit. Ein Kommandeur der Peschmerga teilte dem Korrespondenten der ARD mit, dass alle Peschmerga-Kämpfer in dem gezeigten Abschnitt unter den Giftgas-Angriffen des „IS“ schwer leiden. Er bat um Hilfe aus Deutschland, v. a. Gasmasken würden gebraucht und andere Hilfsmittel gegen die Chemiewaffen der „IS-Milizen“. So drückt also die Erklärung des russischen Außenministers Lawrow die Wahrheit aus: Eine Fabrik der Terroristen, in der Giftgas-Munition hergestellt wird, ist von der syrischen Luftwaffe bombardiert worden. Die Verantwortung für den Angriff und seine Folgen trägt der „Islamische Staat“ on offensichtlicher Verbindung ,it dem Auslands-Geheimdienst der USA, der einen Stab von Fälschern unterhält mit der Formulierung von Desinformationen.

Syrien ist schon lange ein Feindbild

Der Chefunterhändler in den gegenwärtigen Genfer Gesprächen um einen Waffenstillstandes und die Bildung einer Übergangsregierung in Damaskus, Muhammed Aloush, sagte im März 2016 gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der französischen Le Monde und dem britischen Guardian: Die wirkliche Lösung des inneren Konfliktes in Syrien ist die Hinrichtung Baschar al-Assads.

Wie kann eine Verständigung auf nationaler und internationaler Ebene erreicht werden, wenn einer der Unterhändler sein Feindbild zum Gegenstand der Gespräche macht. Aloush kommt aus dem Stamm der salafistischen „Armee des Islams“, die zum Kern des sogenannten Islamischen Staates (IS) gehört.

 

Unterstützt wird diese radikal-islamisch-sunnitische Gruppierung mit Geld und Waffen vom Ausland. Sein Feindbild erweiterte Aloush in dem Pressegespräch auf die syrischen Kurden, die mit Assad verbündet sind und einen aufopferungsvollen Kampf für ihre Rechte gegen die Terror-Miliz des IS führen. Nach internationalem Brauch müsste Herr Aloush aus den Genfer Verhandlungen ausgeschlossen werden. Mit dem Feindbild Assad und Kurden auf dem Tisch, dürfte ein Erfolg dieser Gespräche ausgeschlossen sein.

Was wäre das Schicksal der Aleviten in Syrien, einer religiösen Minderheit, die von den radikal-islamischen Gruppen zu den Erzfeinden ihrer fundamentalistisch-sunnitischen Religion gezählt werden? Auch Präsident Assad und eine Mehrheit der syrischen Regierungsmitglieder sind alevitischen Glaubens. Was geschieht, wenn das Unvorstellbare einträte, und die Gruppe um Muhammed Aloush gewänne die Macht in Damaskus? Ein Massenmord an den Aleviten, in seinen schlimmsten Auswirkungen wäre mit höchster Wahrscheinlichkeit der Fall. Die ersten schweren Verbrechen eines Völkermordes, begangen an den Jesiden im Norden Iraks, wurde gerade noch militärisch von den irakischen Kurden verhindert, der nach allen historischen Vorgängen in den Religionskämpfen im Nahen Osten der neuesten Zeit höchstwahrscheinlich gewesen wäre.

Eine der Methoden der Feindbild-Propaganda ist die schlechte journalistische Methode, die Nachricht mit dem eigenen Kommentar zu vermischen. Diese Methode setzt in der Regel die Meinung über den Informationsinhalt in die Schlagzeile. Ein Beispiel: Die „Berliner Zeitung“ wählte für die Ausgabe am 2. Mai 2016 als Aussage für die Schlagseite auf Seite 1: „AfD legt sich auf Anti-Islam-Kurs fest.“ Diese Zeile drückt die Meinung der Redaktion aus, sie entspricht nicht dem Inhalt des Grundsatzprogramms der „Alternative für Deutschland“ (AfD). Im Text zur Schlagzeile räumt die Redaktion ein, wenn auch mit gewissen Einschränkungen, dass die Aussage des Grundsatzprogramms gegen den politischen Islam und seinen Gruppen gerichtet sei; das Vorstandsmitglied, Frau Beatrix von Storch wird zitiert, die in der Debatte gefordert hat, den individuellen Islam vom politischen zu trennen. Ob man nun Mitglied der AfD oder Freund dieser Partei oder ihr Gegner ist, die Nachricht über einen Parteitag jeder Partei muss objektiv und nicht meinungsbildend verzerrt sein. Das ist ein Grundsatz der journalistischen Objektivität einer freien Presse.

An anderer Stelle derselben Ausgabe wird durchgängig negativ vom „Assad- Regime“ in einer Art und Weise geschrieben, dass der Leser den Eindruck gewinnen könnte, für alles Elend der schuld- und schutzlosen Menschen sei die Regierung in Damaskus verantwortlich. In vier Spalten Anklagen gegen das Leid der Menschen werden lediglich einmal die „Rebellen,“ die mörderische Miliz des sogenannten Islamischen Staates, genannt, die Ost-Aleppo besetzt hielten.

 

Eine persönliche Erfahrung mit dem Feindbild

Soweit ich mich gut erinnere, war es im Herbst 1941, als die Klasse in meiner Moabiter Schule antreten musste, im Berliner Lustgarten, einem zentralen Platz in der Hauptstadt, eine Ausstellung zu besuchen, die den Titel trug: „Das Sowjetparadies.“ Aus dieser Ausstellung ist mir noch heute ein Plakat in Erinnerung: Ein überlebensgroßer Sowjetsoldat mit einem Messer zwischen den zusammengebissenen Zähnen seines verzerrten Gesichts. Heute würde ich mich entsetzt von einem solchen primitiven Plakat abwenden. Damals blieb es mir im Gedächtnis. Wenige Jahre später, im Frühjahr 1945 stand ich als jugendlicher Soldat der Wehrmacht an der Oder, wenige Tage danach an den Seelower Höhen östlich on Berlin. Es war, zeitgleich mit Halbe, südlich von Berlin, die letzte Schlacht des zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden. Plötzlich hatte ich dieses Bild wieder vor Augen, als das Trommelfeuer der sowjetischen Artillerie auf unsere Stellung einsetzte, dann die T34-Panzer der Sowjets auf uns zurollten, begleitet von Infanterie mit angelegten Maschinenpistolen oder andere mit aufgepflanzten Bajonett. Nach schwerer Verwundung flickte mich auf dem inzwischen von der Roten Armee besetzten Hauptverbandsplatz ein Arzt wieder zusammen, – unter seinem weißen Kittel die Uniform der Roten Armee. Er benutzte ein Messer, mit dem er mein Leben rettete, ein Skalpell, das er nicht zwischen den Zähnen trug.

Feindbilder der geschilderten Art sind ein Kernstück der psychologischen Kriegsführung, auch psychologische Propaganda, genannt. Sie besteht in der systematischen und mit einem politischen, meist auch militärischen Ziel verbundenen Verbreitung von gesteuerten Meldungen und angeblichen Dokumenten, die dem politischen oder militärischen Zweck dienlich sind. Diese Art einer Propaganda, die vom humanistischen Standpunkt zu verwerfen ist, stützt sich auf Vorurteilen, auf Klischees, die in ihrem Wirkungsgebiet schon vorhanden sind, auf überkommende Vorstellungen, auf vorsätzliche Lügen und Falschdarstellungen. Sie soll das Fühlen der angesprochenen Menschen beeinflussen. Sie ist darüber hinaus auch dazu gedacht,, die eigene Gesellschaft zusammen zu halten.

Die wichtigsten Instrumente sind die Massenkommunikations-Mittel Presse, Radio und Fernsehen. Auch Politiker in wichtigen Funktionen werden gewonnen, das ausgearbeitete Material, das veröffentlicht werden soll, als eigenen Standpunkt mit oder ohne Quellenangabe zu verbreiten. Beispielsweise übernahm, gleich nach Beginn des Jugoslawien-Krieges der NATO Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping in seiner Rede auf dem SPD- Parteitag am 12.April 1999 einen derbe Lüge aus nicht mitgeteilter Quelle über Gräuelverbrechen der Serben.. (Zit. nach Berliner Zeitung, 13. 04. 1999). Sie sollen Zivilisten nach ihren Berufen formiert haben, um ihnen die Illusion zu geben, sie kämen in ein Arbeitslager; in Wirklichkeit wurden sie an einem anderen Ort erschossen Die SPD-Basis sollte mit einer Falschinformation über die Zustimmung der sozialdemokratischen Führung zum Krieg beruhigt werden. Dem Verfasser dieses Aufsatzes ist aus einem Archiv der Bericht einer SS- Einsatzgruppe in Polen bekannt, die in Lemberg auf diese Art zu Beginn des zweiten Weltkrieges Juden ermordete. Propagandalügen werden nicht selten aus früheren Verbrechen anderer Staaten übernommen, weil die Adressaten der Propaganda-Botschaften allgemein über frühere Vorgänge keine Kenntnisse haben

In einem so und ähnlich geschaffenen Klima entsteht der Meinungsterror, der jede Gesellschaft vergiftet. Dem Meinungsdruck widerstehen nur wenige. Sie werden von denselben Sprachrohren der Meinungsmanipulation dann als „Verbündete der Verbrecher“ denunziert oder mit den Schlagworten „fremdenfeindlich“ und „rassistisch“ belastet. Das aktuelle Beispiel ist die Kritik an der Flüchtlingspolitik der deutschen Bundeskanzlerin, Frau Angela Merkel. Sie rief zwar zu Recht und in Übereinstimmung mit der Verfassung politisch, religiös und rassisch Verfolgte im syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland, das ihnen eine neue Heimat gab. Sie setzte ihre Politik dann allerdings in Verkennung der Wirklichkeit in der Welt träumerisch fort mit dem Ruf: „Deutschland kennt keine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen.“ Unbelehrbar hielt sie an dieser Aussage lange fest, die über die Presse, Radio und Fernsehen überall in der Welt verbreitet wurde.

Hunderttausende in sozialer Not leidende Menschen im Orient, Afrika und Südostasien setzten sich in Marsch und gelangten, oft auf abenteuerlichen und gefährlichen Wegen auf Schlauchbooten über das Mittelmeer und über mehrere Länder illegal über die deutsche Grenze. Schlepperbanden bildeten sich, die den Massen die Routen ihres Weges in die Europäische Union, besonders nach Deutschland, zeigten. Die Kritik in Deutschland entzündete sich auf verschiedenen gesellschaftlichen und parteipolitischen Ebenen, als mehr als eine Million Menschen plötzlich in Deutschland Wohnung, Nahrung und medizinische Versorgung brauchten. Schnell fanden die Politiker, die für die chaotischen Verhältnisse die Verantwortung trugen, den Griff nach den Schlagwörtern der psychologischen Propaganda: fremdenfeindlich sei das alles, was da „gegen die Flüchtlinge gesagt wurde. Deutlich ist auch hier die Tendenz, an die Stelle der Wahrheit die Lüge und die Tatsachenverdrehung zu setzen. Nicht die Flüchtlinge waren (oder sind) gemeint, sondern die schlafwandelnden deutschen Politiker. Sie sind dabei, wie gewohnt, die Kritiker in ein Feindbild zu setzen.

Feindbilder in der innenpolitischen Auseinandersetzung oder in der psychologischen Kriegsführung haben eine lange Geschichte. Sie sind in den schriftlichen Zeugnissen der antiken Frühgeschichte schon erkennbar. Mit der Erfindung des Drucks von Texten und Bildern konnten Informationen schneller und weiter verbreitet werden. In unserer Zeit elektronischer Botschaften über Radio. Fernsehen und Zeitungen sind Nachrichten weltweit zeitgleich an jedem Ort der Welt zu empfangen.

Wer schafft die Feindbilder, die eine Verständigung immer wieder erschweren und Wege zum Frieden blockieren? Es sind namentlich unbekannte Figuren im politischen und militärischem Bereich. Gleich zu Beginn des ersten Weltkrieges war die internationale Öffentlichkeit entsetzt über die Nachricht, deutsche Soldaten hätten beim Einmarsch in Belgien im August 1914 belgischen Kindern die Hände abgehackt. Das war über lange Zeit die schlimmste Lüge. Der Vatikan begann die Information zu untersuchen und stellte fest: Einen derartigen Vorfall hatte es nicht gegeben. Es handelt sich um eine erfundene Falschmeldung zum Nachteil der Deutschen. Die Wahrheit war aufgedeckt, aber die Lüge blieb im Gedächtnis und im Gefühl sehr vieler Menschen, und die Bereitschaft erhöhte sich, gegen „die Barbaren“ zu Felde zu ziehen. Das Ziel einer verlogenen, einer verwerflichen Propaganda war erreicht.

Spanien 1936 bis 1939

Die Gräuelmeldung aus Belgien findet eine Fortsetzung im spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939. Mit einem Staatsstreich des Generals Franco, der in einem spanischen kolonialen Besitz marokkanische Truppen befehligte, begann der Krieg gegen die Republik. Hitler-Deutschland und das Italien Mussolinis standen auf Francos Seite im Kampf gegen die demokratische legale Regierung der Volkseinheit in Madrid. Ein deutsches Luftwaffen-Geschwader, genannt die „Legion Condor“, flog Einsätze gegen die Armee der Republik und zerstörte die Stadt Guernica mit mehr als 3000 Toten, italienische Divisionen unterstützten Franco im Erdkampf. Die Intervention der beiden faschistischen Staaten musste der Öffentlichkeit als Kampf gegen einen brutalen, alles bedrohenden Feind dargestellt werden. Die deutsche Presse dieser Zeit ist täglich mit Gräuelmeldungen und Falschdarstellungen jeden Inhalts ein Muster der psychologischen Kriegsführung. Wenige Beispiele stehen für hunderte:

Die bürgerliche Berliner Börsenzeitung, meldet am 26. 07. 1936: „Die Kommunisten haben in Bajados 110 Grundbesitzer gefangen genommen und ihnen je ein Ohr abgeschnitten“ Der Völkische Beobachter, Zentrales Blatt der Hitlerpartei, berichtet am 20. 08. 1936: „Moskau funkt: Tötet alle Priester! Jüdisch-bolschewistische Verbrecher haben 6900 Geiseln in Madrid ermordet.“ Um diese Meldung zum vollkommenen Bürgerschreck zu machen, haben die Lügner im Ministerium für Propaganda des Ministers Dr. Joseph Goebbels in derselben Ausgabe der Zeitung hinzugefügt: „Sie wurden gekreuzigt mit Benzin übergossen und lebendig verbrannt.“

In einer der zentralen vertraulichen Presse-Anweisung des Propaganda- Ministeriums vom 08. 11. 1937 heißt es: “In einem Leitartikel des ‚Fränkischen Kuriers’ ist gesagt worden, dass die bewusste Lüge auch zum Propagandamittel gehöre…Über Kriegspropaganda könnte man höchstens vielleicht nach Abschluss eines Krieges schreiben. Die Zeitung erhält eine scharfe Rüge.“ (Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Heft 8, 1965, Beitrag über die vertraulichen Presse-Anweisungen). Die hier gegebenen Muster sind ausgewählte Originaltexte. Sie könnten mit dem Faktor 100 erhöht werden — mit den Beispielen aus den Kriegen in Vietnam, Jugoslawien, Afghanistan und im Irak und Syrien, mit den blutigen Vorgängen in Rumänien 1989, mit den militärischen Interventionen in Libyen und Grenada.

Gegen Russland wird ständig ein Bedrohungsszenario in die Welt gesetzt. Zur Zeit, im Sommer 2016, werden in baltischen Saaten nahe der russischen Grenze Panzer und Raketen der USA und anderer Nato-Länder stationiert. Die Nato sagt, dass sei notwendig, um Estland, Lettland und Litauen vor einer „russischen Aggression“, sowie vor „Raketen des kommunistischen Nordkoreas“ zu schützen. Auch in Rumänien, an der russischen Südwestgrenze wird ein Raketensystem der Nato errichtet. Rumänien soll nach Nato- Angaben vor Raketen aus dem Iran geschützt werden.

Die Schlagworte und die unsinnigen Argumentationen in ihrer Dummheit dazu sind ein Hinweis darauf, wie Politiker und Generäle der NATO die deutsche und internationale Öffentlichkeit einschätzen.

An diesem Beispiel wie an dem belgischen, ist einer der Wesenszüge der psychologischen Kriegsführung zu erkennen: Der Feind ist immer ein Schurke von entmenschlichter Natur. Mit dieser Bestimmung hat die psychologische Kriegsführung stets einen Bezug zur Grausamkeit, denn sie soll auf die Seele des Menschen einwirken, auf seine gesunde Abscheu gegenüber Verbrechen. Menschen werden in den Mittelpunkt des Feindbildes gerückt, nicht Sachverhalte. Es ist die Manipulation der Gefühle für die Ziele der Politik oder des Krieges. Die Methode befreit die Akteure der Irreführung von der gegebenen Sachlage, von einer objektiven Analyse der Tatsachen. In dieser Propaganda setzt sich keiner der Akteure mit Tatsachen auseinander, sondern er erfindet sie. Wissenschaftliche Ursachen werden in Einzelfällen sogar in das Gegenteil verkehrt. Der Geist wird vom bestehenden ehernen Feindbild bestimmt. Feindbilder haben ihre Wurzel in den politischen Interessen und Zielen, im Krieg in den militärischen Absichten.

Der ständige Ruf im Westen; „Assad muss weg!“ zeigt das Ziel im Kontext der syrischen Bindung an Russland, in der russischen Beziehung zu Syrien, dessen Regierung den Russen ein Militärstützpunkt im Lande gewährte. Die heutige Regierung in Damaskus ist die letzte arabische Regierung, die nicht an westliche Vorstellungen unbedingt gebunden ist. Mit dem heutigen Syrien ist Russland im Mittelmeer-Raum präsent. Somit ist eine westliche Hegemonie unter dem Schirm der USA in diesem Raum nicht vorstellbar. Deshalb muss „Assad weg“, also ist es er, der „Giftgasbomben gegen die Zivilbevölkerung werfen lässt“, der „250 000 Tote auf dem Gewissen hat,“ wie die Akteure der psychologischen Kriegsführung weltweit verbreiten. Die russische Hilfe für die von Saudi- Arabien und den inneren bewaffneten Kräften bedrohte syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad wird von den Akteuren der psychologischen Kriegsführung als „Vernichtungskrieg Putins“ gegen Syrien dargestellt.

Meldungen von Geheimdiensten sind ihrer Natur nach nicht überprüfbar für den öffentlichen Empfänger. Deshalb sind Geheimdienste nicht selten die Vermittler von undurchsichtigen Informationen, von Desinformationen, die einem bestimmten politischen Zweck dienen. Oft werden Politiker und andere Personen, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen, benutzt, bestimme Informationen in die Öffentlichkeit zu tragen, wie das gegebene Beispiel Scharping zeigte. Ein krasses Beispiel, wie Feindbilder geschaffen oder vorhandene verstärkt werden können, vermittelte der scheidende Präsident der USA Barack Obama. Zum Jahresende 2016, am 28./29. Dezember, griff er Russland und Präsident Wladimir Putin direkt über alle Fernseh- und Radio-Sender an mit einer Vermutung, russische Spezialisten der Informationstechnik hätten über das Internet in den US-Wahlkampf gegen die Kandidatin für das Präsidentenamt Hillary Clinton eingegriffen und damit ihren Wahlsieg behindert.

Von den etwa 145 Millionen Wahlberechtigten in den USA müsste die Mehrheit im November 2016 zur Wahl gegangen sein und Hillary Clinton auf Grund „russischer Hacker-Angriffe“ im Internet nicht gewählt haben. Davon wollen am 6./7. Januar 2017 drei US-amerikanische Geheimdienste (CIA, NSA, FBI) überzeugen; auch davon, dass der russische Präsident Wladimir Putin unmittelbar seine IT-Spezialisten angewiesen hätte, aktiv in den Wahlkampf jenseits des Atlantiks und Pazifiks einzugreifen. um die Wahl der Frau Clinton zu verhindern. Herr Obama, der abtretende Präsident, ein politischer Freund der Familie Clinton im Washingtoner Klub, sagte im Fernsehen, er habe die Dienste mit der Untersuchung der Hacker-Angriffe beauftragt und er sei jetzt empört über Präsident Putin. Das Manöver sollte das Feindbild Russland und Putin in die Öffentlichkeit rücken.

So funktioniert psychologische Propaganda, wie sie in den USA gelehrt wird. Seine helle Freude an dieser Propaganda hätte Dr. Joseph Goebels, einst Propaganda-Minister des Hitlerstaates, der sich im April 1945 selbst verbrannt hat. Seine Theorie war: Ist die Lüge noch so groß, etwas bleibt hängen. In diesem aktuellen Fall geht es darum, den erklärten Weg des Donald Trump, ein besseres Verhältnis zu Russland und zu Präsident Putin herzustellen, mit Steinbrocken vieler Art zu erschweren. Dazu gehört auch die provokatorische Stationierung von weiteren 4000 Mann der US-Streitkräfte noch im Januar 2017 vor der Amtsübernahme von Donald Trump an der russischen Westgrenze mit schweren Panzern und weit tragender Artillerie. Auch der Feuerüberfall eines US-Kriegsschiffes auf einen syrischen Militärstützpunkt Anfang April 2007, befohlen vom US-Präsidenten Trump, ist ein für die internationale Sicherheit gefährlicher Reflex der Feindbild-Propaganda.

Erforschte methodische Leitlinien

 

Es ist ein Verdienst der amerikanischen Gesellschaftswissenschafter, die psychologische Kriegsführung, die psychologische Propaganda schlechthin, in ihrer Geschichte und Gegenwart weitgehend erforscht zu haben. Einer unter ihnen wird am häufigsten zitiert: Paul M. A, Linebarger: „Schlachten ohne Tote“ John-Hopkins Universität, Washington, deutsch bei S. Mittler und Sohn, Berlin/Frankfurt am Main, 1960. Er vermittelt aus seinen Studien eine Formel, die im Prinzip der gesamten Propaganda bei der Abfassung ihrer Mitteilungen zu Grunde liegt:

Source – Quelle
Time – Zeit
Audience – Adressaten Subject Thema
Mission Aufgabe und Ziel

Linebarger definiert die psychologische Propaganda als eine geplante Anwendung irgend einer Form öffentlicher oder Massen beeinflussender Mitteilung, die dazu bestimmt ist, den Geist und die Gemüter einer bestimmten Gruppe zu einem öffentlichen Zweck militärischer, wirtschaftlicher oder politischer Art zu beeinflussen. W. Daugherty und M. Janowitz untersuchten in „Psychological warfare“, Casebook, Baltimore, 1958, die psychologische Propaganda der kriegführenden Staaten und sie fassen ihre Leitlinien zusammen. Lesenswert ist auch die Analyse von John B. Whitton: „Propaganda and the cold war“, Washington Public Affairs Press, 1963. Weitere aufklärende Untersuchungen und auch Selbstdarstellungen von Akteuren der psychologischen Kriegsführung sollten stärker beachtet werden in unserer Zeit terroristischer Anschläge und der Bürgerkriege sowie ethnischer und religiöser bewaffneter Kämpfe. Einige dieser inhaltlichen, methodischen und formalen Leitlinien sind sehr detailliert dargestellt wie ein Handbuch für die Akteure. So zum Beispiel, wenn es heißt:

# Bezeichne den besonderen Feind in einer Person (nehmen wir an in unserer Zeit eines negativ gezeichneten Russland-Bildes den russischen Präsidenten Putin und setze ihn mit einer bekannten negativen Person gleich (Hitler, Goebbels, Stalin). Werte ihn mit einem abstoßenden Begriff wie „Diktator“, „Alleinherrscher“, „Unterdrücker.“ Schreibe ihm alles Negative zu, was du ihm zuschreiben kannst („Putin erobert die Krim und gefährdet den Weltfrieden.“ „ Die baltischen Staaten brauchen jetzt NATO-Hilfe“, „Putin verschärft den Ukraine-Konflikt“) Es wird nicht argumentiert, warum der russische Präsident den Konflikt angeblich verschärft. Das wird nur behauptet, während die Verursacher des Bürgerkrieges in der Westukraine nicht erwähnt werden.

 

# Sei aktiv mit ständigen Wiederholungen einer Sache. Behaupte stets und lass dich nicht auf eine Argumentation ein, die führt zum Dialog, der in deinen Standpunkten Lücken reißen könnte.

# Arbeite mit dem Bild. Es ist wichtiger als das Wort, weil es den Schein von Authentizität hat. („Luftbilder belegen, dass russische Kampfbomber im Auftrag von Assad Krankenhäuser und Wohngebiete in Syrien bombardieren.“ Du brauchst keinen Beweis, es genügt, Du zeigst ein zerstörtes großes Gebäude, das ein Krankenhaus sein könnte.

# Du musst Glaubwürdigkeit erzeugen. Deshalb solltest du keine Mitteilung vollständig erfinden. Es sei, die Umstände lassen mit Sicherheit keine Überprüfung zu. Mische sie darum mit halben Wahrheiten und Ansätzen der Wahrheit, die überprüfbar ist, und baue darauf deine Mitteilung, die emotional ergreift.

# Bringe das Wort auf den kürzesten Begriff („Menschenrecht“). Berufe dich nach Möglichkeit und in Abhängigkeit von deinem Rezipentenkreis auf die Religion im Wirkungsgebiet deiner Mitteilung

+ In allem, was du machst, beherrsche das Prinzip: Immer den Feind belasten, immer sich selbst entlasten.

Diesen Leitlinien liegt die Ansicht zu Grunde, die Linebarger und andere sinngemäß so ausdrücken: Ein Krieg gegen ein anderes Volk, egal aus welchem Grund, kann man nur führen, wenn man gleichzeitig in die Seele der Menschen eindringt – in die Seele des eigenen Volkes, um den Kampf und die Opfer zu rechtfertigen, in die Seele des Feindes, um ihn moralisch zu schwächen und zu zermürben.

Der britische Spezialist, der psychologischen Kriegsführung, Sefton Delmer, nennt in seinem Buch „Ich und die Deutschen“ Tricks und gezielte Falschmeldungen. Seine Methoden, die er mit abgeworbenen Journalisten des britischen Rundfunks (BBC) anwandte, sind von besonderer Perfidie. Über seine Sender, die ihm das britische Kriegsministerium zur Verfügung stellte, „Gustav Friedrich I“, „Atlantik“ und „Calais“ ließ er im zweiten Weltkrieg mit den Papieren gefallener deutscher Soldaten in Nordafrika die Lebenden in der Heimat in deutscher Sprache grüßen und forderte sie zum Widerstand in der deutschen Wehrmacht auf. Er sandte Briefe an Frauen und Mütter in Deutschland aus neutralen Ländern. In einem dieser Briefe heißt es:

„Sehr geehrte Frau…bitte stellen sie keine Nachforschungen nach Martins Verbleib an. Er befindet sich mit mehreren Kameraden heil und sicher in einem neutralen Land und verdient dort gut.“

Britische Agenten in neutralen Ländern schrieben solche Briefe nach Funknachrichten aus Delmers Dienststelle. Das Ziel war, dass eine Mund-zu- Mund-Propaganda deutsche Soldaten zur Fahnenflucht veranlassen würde. Delmer selbst räumt ein, die bedauernswerten Frauen und Mütter „grausam zum Narren gehalten“ zu haben, denn alle in die Propagandafalle gelockten Deutschen haben jahrelang auf die Rückkehr ihrer Angehörigen gewartet.

Generell kann man sagen, allen Methoden und Inhalten der psychologischen Kriegsführung ist der Gedanke gemeinsam, dass Propaganda dieser Art als ein Versuch zu betrachten ist, durch Lügen und tendenziöse mitunter grausame Darstellungen und durch verschiedene Arten der Beeinflussung Menschen die Fähigkeit zu nehmen, unabhängig zu denken.

Aus der heutigen Praxis einer Reihe bedeutender Staaten darf man schließen, dass sie davon ausgehen, nationale und internationale Konflikte mit der psychologischen Propaganda beeinflussen zu können. Welche Meldungen der Mensch aufnimmt, wie er sie erlebt und welche Wirkung sie auf ihn haben, hängen in hohem Maße von seiner geistigen Haltung, von seinem politischen und historischen Bildungsstand, seinen allgemeinen Interessen und seiner Erfahrung ab. Er wird sich den ständigen Wiederholungen der zielgerichteten Falschinformation nur mit den Geboten menschlicher Vernunft entgegenstellen können. Die mit der Waffe der psychologischen Propaganda geführte Auseinandersetzung ist ein Kampf der Worte und Bilder, ein Kampf um die Herzen und Hirne der Menschen. Das ist die Wahrheit von einst und von heute und in der Zukunft..

https://heinzodermann.wordpress.com


Prof. Heinz Odermann (89); em. Prof. f. Geschichte/Berlin ehem. Chefredakteur RBI Radio Berlin International für die kolonial befreiten Nationen Afrikas und arabische Länder.

Publikation u.a.: >>Wellen mit tausend Klängen<< Geschichten rund um den Erdball in Sendungen des Auslandsrundfunks der DDR Radio Berlin International (Vistas Verlag 2003)

persl. Anmerkung: Ich habe Herrn Odermann kennenlernen dürfen und konnte feststellen: praktisches Wissen, allein die reine Vernunft bringt Klarheit im Kopf, Freude im Herzen und hält jung. Ein herzlicher Mensch mit einnehmenden Wesen und Vorbild ist Heinz Odermann zweifelsfrei.

Text-Hervorhebung durch F. Wogatzki – faresfalastin

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